Donald Trump – eine gefährliche Kombination zwischen biographischer Erfahrung und gesellschaftlichen Einflüssen

 

1. Der schlafende Drache ist aufgewacht

Endlich hat Donald Trump sein ultimatives Ziel erreicht. Er wurde zum Präsidentenkandidaten  der Republikanischen Partei erkoren. Wie ein Panzerwagen hat er sich diese Wahl erarbeitet und auf dem Weg dahin destruktiv den ganzen Parteiapparat der Grand Old Party in seine Einzelteile zerlegt. Es ist schon erstaunlich, wie sich so viele Experten und eingefleischte Kenner der Materie auf dem falschen Fuß haben erwischen liessen. Studiert man  die Biografie von Donald Trump, dann hat er auch im bisherigen Wahlkampf sich nie anders benommen als er es seit über dreissig Jahren schon tat. Wenigen Amerikanern gelangt es  in den letzten Jahren  eine so grosse  Aufmerksamkeit in den Medien zu erreichen wie Donald Trump. Er ist allen bekannt, besonders durch seine Fernsehsendung, wo er als Medienstar Leute anstellen oder feuern konnte und bei näherem Hinschauen weiss eigentlich niemand, wer dieser Mensch ist.

Selten wurde eine Person so oft analysiert und durchleuchtet, aber keinem ist es gelungen, diesen Menschen persönlich zu erfassen. Würde Trump nicht immer wieder echt aus Fleisch und Blut auftreten, dann müsste man davon ausgehen, es mit einer phantasierten Kunstfigur zu tun zu haben. Meistens wird Trump als ein extremes Beispiel für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung zitiert. In einem früheren Blog habe ich die Strategien beschrieben, die Narzissten in Beziehungen anwenden. Heute muss man nicht unbedingt ein Narzisst sein, nur weil man die Beziehungsstrategien von Narzissten in seinem Beziehungsleben anwendet.

 

2. Der sozialisierte Psychopath

  • Ich möchte im folgenden Blog eine Perspektive aufzeigen, die sich mit einer Persönlichkeitsstörung beschäftigt, die wir nur von brutalen Mördern und Verbrechern her kennen. Es geht um die psychopathische Charakteristik einer Persönlichkeit, die viel häufiger vorkommt, als wir annehmen. Eigentlich wissen wir gar nicht, wie viele Psychopathen frei herumlaufen, ohne dass wir es merken, nur die Minderheit sitzt im Gefängnis, viele dieser Psychopathen sind gesellschaftlich sozial anerkannt und haben sogar Erfolg und werden bewundert. Kevin Dutton*, ein englischer Psychologe, hat in seinem Buch „Psychopathen“ sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt. Dabei stellte er die These auf, dass Psychopathen Charaktereigenschaften besitzen, die, wenn sie in einem vernünftigen Masse angewendet werden, auch nützlich sein könnten. Diese gewagte These formuliert er ausgiebig in seinem Buch. Er meint, dass ein straffälliger oder destruktiver Psychopath nur übertreibt und seine Gestörtheit exzessiv auslebt und deshalb gefährlich wäre. Selbstredend für das Wesen von Donald Trump ist die allgemeine Definition von Dutton eines Psychopathen sehr aufschlussreich: „Für einen Psychopathen gibt es so etwas wie Wolken am Himmel gar nicht, sondern nur Silberstreifen.“


  • Der Psychologe Peter Jonason beschreibt in seinen Forschungen Psychopathen als Männer mit Persönlichkeitsmerkmalen wie dem Stratosphärischen Selbstwertgefühl des Narzissmus, dem Erlebnis- und Erfolgshunger einer überaus Testosteron gesteuerten Kreatur, der Skrupellosigkeit und Arglist eines miesen Verbrechers und dem Ausbeutertum eines gerissenen Machiavellisten. Dank dieser Eigenschaften schaffen es diese Menschen immer wieder, sich in der Gesellschaft Ruhm und Anerkennung zu verschaffen

 

  • Donald Trump entspricht mit seinem Verhalten und seiner Karriere genau dieser Beschreibung. Es ist durch Forschungsuntersuchung erwiesen, dass diese Charaktereigenschaften nur teilweise genetisch bedingt sind, sondern epigenetisch, d.h., dass biographische und gesellschaftliche Einflüsse bei der Ausgestaltung eines solchen psychopathischen Charakters sehr viel dazu beigetragen haben.

 

  • Weiter beschreibt Dutton Psychopathen folgendermaßen: „Sie haben eine makellose Tarnung. Nach aussen hin sind sie sympathisch, charmant, charismatisch. Dadurch werden wir von ihrem wahren Gesicht abgelenkt, sehen nicht, dass sich dahinter eine Anomalie versteckt, und fühlen uns von ihrer hypnotischen Präsenz angezogen.“ Sie entscheiden sich nur für ein riskantes Verhalten, dies aber ohne Angst, wenn sie für sich daraus einen Vorteil herausholen können. Der Psychopath hat überhaupt keine Schwierigkeiten, mit den Folgen schnellen Wandels fertig zu werden. Die Vergangenheit hakt er augenblicklich ab und lebt nur in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Die vorteilhafteste Fähigkeit eines Psychopathen ist die sensible Gabe, wie ein Radargerät die Schwachstellen eines Menschen oder gar eines Systems zu erkennen und skrupellos auszunutzen. Psychopathen werden magisch von Herausforderungen des Lebens angezogen und wollen diese proaktiv bewältigen. Sie wollen immer Sieger sein und hassen es zu verlieren. Sie sind von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Sie zeichnen sich durch mentale Härte aus und durch Furchtlosigkeit. Man kann den sozialisierten Psychopathen als „neuen Menschen“ bezeichnen: Er ist ein Superheld, der frei ist von Fesseln der Angst und der Reue. Er ist brutal, gelangweilt und abenteuerlustig. Aber auch sanftmütig, wenn es die Situation verlangt. Der moderne Psychopath setzt alles daran, dass er durch Drama, Publizität und Terror geistig geläutert wird und zur allmächtigen Größe aufsteigt. Der sozialisierte Psychopath zeichnet sich gemäss Forschungen durch eine einmalige Selbstbeherrschung aus. Er rastet nicht so aus wie ein psychopathischer Mörder, der dann im Gefängnis landet. Diese „leichte Art“ von Psychopathen sind in allen Berufsgruppen vertreten, besonders aber in der Wirtschaft, der Politik und in den Medien. Dutton bezeichnet diese Art der Psychopathen als „leichte Jungs unter den Psychopathen“. Diese Menschen verspüren keine Gewissensbisse, ein gravierenden Mangel an Unrechtsbewusstsein, fühlen sich vielmehr als Opfer denn als Täter, ihren Taten stehen sie gleichgültig gegenüber und rationalisieren sie. Sie sind völlig emotionslos, verstehen aber Gefühle der anderen sehr wohl, weil sie diese gerissen zu ihren Gunsten ausnützen.

 

3. Charaktereigenschaften des sozialisierten Psychopathen.

Forscher haben sich nun die Mühe genommen, die Charaktereigenschaften, die Persönlichkeitsstruktur der leichten Psychopathen genauer zu klassifizieren und sind zu folgendem Schluss gekommen: Drei wesentliche Merkmale haben sie herausgearbeitet:

  • Egozentrische Impulsivität: Der Psychopath verwendet geschickt im operativen Sinne alle Manipulationsmöglichkeiten des Narzissten. Er stellt sich systematisch in Beziehungen in den Mittelpunkt. Er redet nur von sich, geht prinzipiell jedem Dialog aus dem Weg, Redet nur von seinen Erfolgen, Niederlagen kennt er nicht und verleugnet jedwelche Krise. Es kann ihm noch so schlecht gehen, immer ist er ein Gewinner und redet bei sich alles schön, bei den anderen ist alles schlecht. Er verletzt und teilt aus, steckt nie ein, sondern droht unverhohlen, wenn er gekränkt ist. Er verträgt keine Kritik, sondern nur Lob. Er lügt und verdreht systematisch die Wahrheit zu seinen Gunsten. Er ist der Größte und immer muss er der erste sein, Verlierer sind die anderen und natürlich auch an ihrem Schicksal selber schuld.
  • Furchtlose Dominanz: Psychopathen kennen keine Angst. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen weiss man, dass Psychopathen dermaßen auf den Erfolg konzentriert sind, dass sie gar nicht merken, dass sie Angst haben könnten. Ihr fanatisches Streben nach Belohnung ist so dominant, dass alle negativen Gefühle oder warnende Gefühle abgeschaltet sind. Ihre Amygdala ist außer Betrieb, das Belohnungssystem arbeitet auf Hochtouren. Interessanterweise hat man aber festgestellt, dass Psychopathen vor allem auf Ruhm und materielle Belohnung aus sind, bei ideellen Zielen versagen sie oft und scheitern an ihrer Störung. In der Beziehung zu anderen Menschen sind Psychopathen entweder sehr charmant und zuvorkommend, aber nur in einem strategischen Sinne, wenn es der Zielerreichung dient, dann wieder abstoßend, verletzend und autoritär. Hat der Psychopath ein materielles Ziel im Auge, dann kennt er kein Halten mehr, dann schlägt er zu und lässt sich von seinem Weg nicht abbringen.
  • Kaltherzigkeit: Psychopathen empfinden keine Empathie. Sie interessieren sich weder für die Meinung des anderen, noch können sie sich in die emotionale Verfassung des anderen hineinversetzen. Das Gegenüber existiert nicht. Ein kleines Beispiel aus dem Geschäftsleben von Donald Trump: Als er in Atlantic City seine Casinos und Hotels hochzog, nahm er riesengroße Kredite auf. Er brachte die Casinos mit grossen Versprechungen auf Gewinn an die Börse und alle glaubten ihm. Sie kauften die Aktien trotz Warnungen von Wirtschaftsexperten. Kaum eröffneten die Casinos von Trump, häuften sich die Verluste und die Aktien stürzten brutal ab. Trump hat von seinem Geld keinen Cent investiert, aber er hat sich ein großzügiges Honorar für die Geschäftsführung gesichert. Die Casinos machten Pleite, die Aktionäre verloren ihr ganzes angelegte Geld und Trump verdiente sich trotzdem eine goldene Nase. Interessanterweise wurde Trump wegen Wirtschaftskriminalität nicht mal angeklagt, geschweige verurteilt. Vielmehr lobte er sich, wie er zu Reichtum kam und wie toll er Geld verdient. Trotz dieses Fiaskos wuchs noch seine Popularität und er war der Erfolgsmensch schlechthin. Er war der großartige Erfolgsmensch und die Aktionäre dumme Loser, die nichts Anderes verdient haben als eins auf die Fresse zu bekommen. So ist halt das Leben, dafür wurde Donald Trump mit einer populären Fernsehsendung belohnt, wo er in einer Dokusoap, The Apprentice (dt. Der Lehrling), einen erfolgreichen Geschäftsmann als Schauspieler darstellen durfte.

 

4. Die biographische "Erfolgsgeschichte" von Donald Trump

Nun möchte ich zur Biographie von Donald Trump übergehen und aufzeigen, wie die biographischen und gesellschaftlichen Einflüsse Donald Trump geprägt haben und für viele dieser Immobilientycoon zum Albtraum der Amerikanischen Politik  werden konnte.

 

a. Vorfahren von Donald Trump

Trumps Großvater emigrierte als 16 jähriger Junge von Bremen nach Amerika. Dort schlug er sich zuerst wie jeder Immigrant durchs Leben. Bald aber arbeitete er sich durch Schlauheit und Gerissenheit zu einem kleinen Wohlstand. Geschickt nutzte er immer wieder Gelegenheiten, wo er ein Geschäft machen konnte. Manchmal ging es gut, oft aber nicht. Wegen dieser Niederlagen liess sich Friedrich Trumpf, wie er damals hiess, nicht beeinflussen, sondern schlug sich hartnäckig durch das beschwerliche Leben. Als 32 jähriger junger Mann landete er in New York und erkannte sofort, dass im Immobiliensektor das Geld quasi auf der Straße lag. Schlau investierte er in der Bronks und in Queens. Damals, anfangs der 20 iger Jahre waren diese Quartiere in New York noch gar nicht erschlossen. Erst als sie durch eine Brücke mit dem Festland verbunden wurden und eine U-Bahnstrecke gebaut wurde, wurden diese Gebiete urbanisiert und Herr Trumpf machte seine ersten Immobiliengeschäfte. Er liess sich bald einbürgern und hiess danach nur noch Trump. Er hiess nicht mehr Trumpf, sondern hatte einen Triumpf im Geschäftsleben gelandet. Er heiratete eine Deutsche und gründete eine Familie. Seinen Sohn nannte er Frederick, aber sie nannten ihn immer Fred. Dieser begleitete seinen Vater immer bei seiner Arbeit und lernte so das Handwerk des Immobilienunternehmers aus erster Hand kennen. Leider starb sein Vater schon früh, als er 18 Jahre als war und hinterließ der Familie kein Geld, weil er mit seinen Spekulationen Pleite machte.

 

b. Der Vater von Donald Trump-Eine einflussreiche Person.

Fred Trump musste nun für die Familie sorgen und besuchte eine Highscool für Bauwesen und diente sich vom Hilfsarbeiter zum Baufachmann hoch. Er lernte das Bauhandwerk von der Pike auf kennen. Nun ging alles sehr schnell. Beharrlich und unheimlich geschickt erarbeitete sich Fred Trump ein ansehnliches Vermögen mit seiner Arbeit als Immobilienmakler. Geschickt nutzte er alle erdenklichen Chancen, für sich einen Vorteil herauszuholen. In den 20 iger und 30 iger Jahren begann auch die Politik im Häusergeschäft mitzumischen und es wurden Subventionen ausgeschüttet, um den sozialen Wohnungsbau in New York zu fördern. Fred Trump erkannte sofort, dass er sich mit den politischen Gremien gut stellen musste und unterstützte durch Spenden und andere Zuwendungen die politischen Entscheidungsträger. Neben seiner beruflichen Kompetenz verschaffte er sich ein soziales Netzwerk, das es ihm erlaubte, im grossen Stile ins Immobiliengeschäft einzusteigen. Bald zählte damals Fred Trump zu den reichsten Amerikanern. Er heiratete im Jahre 1936 seine Mary Anne, die auch als junges Mädchen aus Schottland nach Amerika emigrierte. Die beiden hatten fünf Kinder. Donald war der zweitjüngste und wurde 1946 geboren. Donald wurde in eine Familie mit dem goldenen Löffel im Mund hineingeboren. Daher glaubt Donald Trump bis heute, dass er etwas Besonderes ist und genetisch zum Erfolg bestimmt ist.

Interessant war es, wie der Vater besonders ideologisch seine Kinder erzog. Fred Trump entwickelte nie die Lockerheit und Anmut, die unerlässlich sind, um Freunde zu gewinnen und Menschen bei gesellschaftlichen Anlässen zu beeinflussen, obwohl er hart daran arbeitete.

Er besuchte Kurse des berühmten Kommunikationsguru Dale Carnegie. Der Kurs führte den verfänglichen Titel: „Wirkungsvolles Sprechen und menschliche Beziehungen.“ Als ehemaliger Fleischhändler entwickelte Carnegie ein Konzept, um den Menschen zu zeigen, wie sie durch gekonntes Reden und Auftreten enormen Erfolg haben können. Er wurde einer der Begründer amerikanischer Werte, die heute im reinen narzisstischen Verhalten endeten. Seine Ratschläge lauteten:“ Wie bringen wir Zuhörer dazu, uns zu mögen?“ und „Das Lächeln, das einen guten Preis auf dem Markt einbringen wird.“ Da diese Ratschläge aber Fred Trump auf der Beziehungsebene leider nicht kompetenter machten, kompensierte er seine Mängel im zwischenmenschlichen Kontakt durch extreme harte Arbeit. Natürlich träumte er davon, ein eloquenter, agiler und schlauer, sozial hoch kompetenter Mensch zu werden. Für seine Kinder hatte er keine Zeit, aber er nahm sie immer mit zu seiner Arbeit. Sein Sohn Donald bewunderte ihn kolossal und ging immer von klein an auf Tour mit seinem Vater. Auf diesen Touren hielt sein Vater Vorträge, er sprach nie mit den Kindern. Diese Touren glichen regelrecht brutalen propagandistischen Indoktrinationen, denen auch Donald Trump ausgeliefert war.

Diese Ausflüge waren für den Vater die Gelegenheit, seine Kinder, aber vor allem Donald, mit seinen kruden Vorstellungen und grandiosen Träumen zu indoktrinieren. So vermittelte er seinem Sohn folgende Lebensweisheiten:

Er verlangte absoluten Gehorsam und duldete keine Kritik. Die Kinder waren dazu bestimmt, im Leben etwas Großartiges zu erreichen, um auch großartig zu werden. Er predigte den Söhnen und Töchtern, dass sich harte Arbeit lohne, aber er betonte, dass das Leben ein einziger Konkurrenzkampf sei und bleute vor allem seinem Sohn Donald ein: “Sei ein Killer!“ Nur so kannst Du überleben. Töte den anderen, bevor Du getötet wirst.

Auf der anderen Seite verwöhnte er seine Kinder über alle Massen. Sie besuchten die besten Schulen und verbrachten an den teuersten Orten Amerikas die Ferien. Sie wohnten in einem grossen luxuriösen Haus und der Vater zeigte immer, was er erreicht hatte. Besonders Donald sprach sehr positiv auf diese abstruse erzieherische Kombination aus strenger Disziplin, monströsem Luxus und grandiosem Überlegenheitsgefühl an. Bis zu seinem 13. Lebensjahr besuchte er zwar die besten Privatschulen, aber er kannte keine Grenzen.

Er war Mamas Liebling und sie setzte ihm keine Grenzen, sondern sie vergötterte ihn. So wurde er sozial unangenehm auffällig und die Eltern entschlossen sich, ihn in eine Militärakademie für Jugendliche zu schicken, um seine disziplinlosen Macken abzugewöhnen. In diese Institution wurden sehr oft Kinder der wirtschaftlichen damaligen Elite geschickt. Einerseits bewunderte der Vater die rebellische und grenzenlose Verhaltensweise seines Sohnes enorm, aber gleichzeitig machte er sich Sorgen, denn er sah insgeheim seinen Plan kompromittiert, denn er wollte doch unbedingt, dass sein Sohn Donald all die Seiten leben sollte, die er nie hatte entwickeln können.

 

c. Wie Donald Trump zum Mann wurde

Der berühmte Mafioso Kenny Gallo verbrachte seine Pubertät auch in einer solchen Institution wie Trump. Er schildert seine Erfahrungen folgendermaßen:

“ Ich nehme an, dass meine normale „soziale Entwicklung“ an der Militärschule abbrach, als ich dreizehn war; ich hörte auf, mich zu einem gesunden, erwachsenen Bürger zu entwickeln und fing an, anfangs zur Selbstverteidigung und dann zum Spass, mein Talent als Raubtier zu entfalten.“

Als Donald Trump als 13 jähriger in das Militärinternat eintrat, bekam es das,bleiche, verwöhnte Muttersöhnchen gleich mit einem brüllenden, äußerst brutalen ehemaligen Kriegsveteranen, Theodore Dobias, zu tun. Trump schilderte später die Erziehungsmethode von Dobias folgendermaßen:

„Damals prügelte man einen grün und blau. Es war nicht wie heute, wo man jemanden schlägt und ins Gefängnis wandert.“ Weiter schildert er: „Er konnte ein fieses Arschloch sein. Er vermöbelte uns gnadenlos. Man musste lernen zu überleben.“ In diesen Jahren wurden Donald Trump jegliche Art von Gefühlsleben aus dem Leib geprügelt.

Trotz dieser Erfahrungen hinterließ Dobias bei Trump keine negativen Gefühle, im Gegenteil. Er identifizierte sich mit diesem Exsoldaten vollkommen und betonte, dass er mit dieser Erfahrung sein Leben erfolgreich als Gewinner bestreiten konnte. Sie machte Donald Trump nicht nur emotional unempfindlich, sondern bestätigte ihn als Gewinner. Das Resultat dieser Erziehung war eine vollkommene Identifikation mit Theodore Dobias und seinen Lebensvorstellungen. Ein Satz von Dobias wurde für Donald Trump zu seinem Lebensmotto: „Ich trainierte die Jungs in Baseball und Football und brachte ihnen bei, dass Gewinnen nicht das Wichtigste sei, sondern das Einzige.“ Schon in dieser Schule begannen sich die Indoktrinationen von Fred Trump und Theodore Dobias in Donald Trumps Verhalten auszuwirken. Dobias beschrieb den jungen Trump dann folgendermaßen: „Donald war ein Junge voller Sehnsüchte und Ehrgeiz, der einfach immer der erste sein wollte in allem und er wollte sehen, dass die anderen merken, dass er immer der erste ist.“ Trump war immer stolz auf sich und war total von sich überzeugt, immer der beste zu sein, geschehe, was wolle. Später beschrieb sich Donald Trump so: „Ich war eine elitäre Person. Als ich dann meinen Schulabschluss machte, war ich eine sehr elitäre Person.“ In dieser Schule wurde vor allem einem Männlichkeitsideal gefrönt, das die Ideale der Überlegenheit predigte und der Selbstdisziplin. Gefühle hatten keinen Platz und die intellektuellen Bereiche einer Ausbildung wurden schlichtweg ignoriert.

Gleichzeitig entwickelte die amerikanische Gesellschaft ein Bildungsideal, wo das Machen mehr galt als das Denken. Wichtig wurde in der Ausbildung die Darstellung der eigenen Person nach aussen, nicht Denken und Reflektion. Wichtig war es, geschäftlich Erfolg zu haben. Der exzessive Materialismus in der amerikanischen Gesellschaft wurde besonders in der Erziehung und der Bildung gefördert. So formulierte der Staat New York ende der Fünfziger Jahre folgenden Bildungsplan: Man wollte junge Menschen so ausbilden, dass jeder Schüler einen besonderen Kurs der Selbstverbesserung besuchen musste, wo man etwas darüber lernte, wie man „mit der Menge tickt“ und „wie man Anklang“ findet.

 

d. Donald Trump-Die perfekte Mischung aus Erziehung und gesellschaftlichen Einflüssen.

Die militärische Ausbildung und das neue amerikanische Bildungsmodell ergaben die geniale Mischung, um einen Menschen wir Donald Trump zu dem zu formen, der er heute ist. Die Bewunderung der Mutter und die Indoktrination des sozial verklemmten Vaters waren bedeutende Einflüsse auf die Entwicklung der psychopathischen Persönlichkeit von Donald Trump. Am Schluss seiner Schulzeit gewann das Baseballteam von Donald Trump ein Spiel, in dem Trump eine wesentliche Rolle spielte. Er wurde in der Lokalzeitung als Matchwinner beschrieben und hoch gelobt.

Dieses Erlebnis war der Startschuss zu einer Entwicklung von Donald Trump. Er wurde zum ersten mal ein Objekt der Medien und dieser Kick war der berühmte Funken, der ein loderndes Feuer der Eigenpublizität von Donald Trump war. Noch 50 Jahren nach dieser Erwähnung in der Zeitung sagt er folgendes:

„Wie viele Menschen kommen in der Zeitung? Niemand kommt in die Zeitung. Es war das erste Mal, dass ich jemals in der Zeitung stand. Ich fand das faszinierend.“

Die Notiz in der Zeitung machte ihn zu etwas Realem und zu einem Helden für Menschen, die davon nur träumen konnten. Dieser Ruhm bestätigte Donald Trump, dass er etwas Besonderes war und schlau erkannte er, wie stark das Bedürfnis von jedem war, einen solchen Ruhm zu erlangen. Gierig stürzte er sich auf das Ziel, diesen Ruhm zu erlangen, denn so konnte er der ganzen Welt zeigen, wie einmalig er war. Dieses Ziel war für ihn auch realistisch, weil gleichzeitig in den Massenmedien sich eine grundlegende Wandlung vollzog.

Der Ruhm wurde demokratisiert, nicht mehr nur grosse Stars und wichtige Personen besaßen das Privileg, berühmt zu werden und Ruhm zu erlangen, sondern jeder, der es clever anstellte, konnte ebenso eine berühmte Person werden.

Nach der Militärakademie studierte Trump Wirtschaft und es war klar, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte. Leider wurde ihm aber sein Bruder Fred als älterer vorgezogen, dieser aber versagte und wurde dann Pilot. Seine Schwestern interessierten sich auch nicht für den Beruf des Vaters und so blieb eigentlich nur Donald übrig, der dann das Geschäft des Vaters übernehmen sollte. Er orientierte sich nicht am Vater, sondern sein Vorbild wurde der exzentrische Immobilienmogul aus New York, William Zeckendorf. Er hatte immer extravagante Projekte, die er nie umsetzte, aber dafür bekam er immer die vollste Aufmerksamkeit der Presse. Er gab luxuriöse Partys und pflegte professionell ein Image, das genau in die damalige Zeit hineinpasste, auffallen um jeden Preis.

Dieses Verhalten machte auf Donald Trump einen grossen Eindruck und bald sollte er Zeckendorf um Längen überholen. Heute wäre Zeckendorf eine kleine Fliege neben dem Öffentlichkeitswahn von Donald Trump.

 

e. Die Kraft des positiven Denkens

Eine weitere Person beeinflusste Donald Trump mit seiner Ideologie, die er total verinnerlichte: Nämlich die „Kraft des positiven Denkens“, von Reverend Norman Vincent Peale. Dieser war zwar ein katholischer Priester, interessierte sich aber nie für die Bibel, sondern entwickelte eine Denkweise, wie man alles nur positiv sehen muss. Alles Negative musste ausgeblendet werden, jede Niederlage war ein Erfolg, die Vergangenheit existierte nicht mehr, nur die Zukunft war interessant. Schuld war man nie, nur immer die anderen, Selber war man der Größte und Beste. Nur das eigene Ego war wichtig und die anderen Menschen waren nützliche Idioten, die man für seine Ziele gebrauchen kann.

Diese Ideologie von Pater Peale war genau das noch notwendige Drehbuch, sich zu einem sozialisierten Psychopathen zu entwickeln.

Trump wurde nun der erfolgreiche Selfmademilliardär, indem er geschickt und skrupellos alle möglichen Tricks anwandte, um Erfolg und Gewinn zu machen. Dabei gerieten viele Menschen zu Schaden, nie aber Donald Trump. Ging er einmal Pleite, rappelte er sich gleich wieder auf.

Wie man genau sehen kann, entspricht er in seinem Verhalten genau den Charaktereigenschaften, die ich oben bei der Beschreibung der leichten Jungs aufgezeigt habe. Interessant ist, dass sich Donald Trump schon früher zweimal als Präsidentschaftskandidat empfohlen hatte und immer wieder zurückzog, wenn es ums Ganze ging oder er befürchten musste, eine Niederlage einzustecken. Schon zu dieser Zeit vertrat er eigentlich das gleiche politische Programm wie heute. Nur ist es ihm heute gelungen, seine Rivalen bei den Vorwahlen zu schlagen. Sein Auftreten war dasselbe, wie immer, aber die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Die weiße Bevölkerungsschicht hat sich in eine verunsicherte, hasserfüllte, betrogene, auf dem Abstieg befindende gesellschaftliche Schicht entwickelt, die natürlich dem polternden Trump zujubelte.

Nun ist Donald Trump endlich an seinem Ziel angekommen und bewirbt sich für das Amt des Präsidenten. Er hat seine Partei zerstört, er hat die politische Kultur, was noch in Amerika übrig blieb, zerstört, er wird nun eine grosse Gefahr für die Gesellschaft und ich habe den Eindruck, dass viele einflussreiche Menschen in Amerika die Gefahr erst jetzt bemerken. Die Gesellschaft, aber vor allem auch die Medien, haben ein Monster gezüchtet, das jetzt für die ganze Welt eine konkrete Gefahr darstellt. Alle wollten mit dem narzisstischen Gehabe von Trump Geld verdienen und haben vor lauter Gier das Denken abgeschaltet.

Nun fragt man sich, ob Trump wirklich eine reelle Chance hat, gewählt zu werden. Interessant ist doch, dass sich die Fehler und Fehlleistungen bei Donald Trump in der ernsten Phase des Wahlkampfes in beängstigtem Masse häufen. Insgeheim merkt Donald Trump, dass das Amt des Präsidenten kein lukratives Geschäft ist. Seinem Psychogramm entsprechend häufen sich seine Fehlleistungen, denn er langweilt sich und verliert das Interesse. Bei Forschungen über die Psychopathen, die leichten Jungs, hat man herausgefunden, dass sie nur glänzten und ihre psychopathischen Eigenschaften hohe Werte erzielten, wenn es um materielle Ziele ging. Waren die Ziele ideell, dann versagten sie kläglich.

Wir können nur hoffen, dass es Donald Trump immer mehr stinkt, sich idealistisch für eine Gemeinschaft zu engagieren, dann wird er nicht gewählt. Die Hoffnung ist deshalb real, weil seine psychischen Eckdaten so stabil sind, dass mit einer radikalen Veränderung zur sozialen Menschlichkeit bei Trump nicht zu rechnen ist.

Kevin Dutton, Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann, München 2013

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Kommentare 1

Gäste - René Brechbühl am Samstag, 07. Januar 2017 16:52

Leider wimmelt es auch in der Wirtschaft von diesen Typen, die haben es rundweg geschafft, den Kapitalismus so zu pervertieren dass wir uns wieder in einem neofeudalistischen Systen befinden wo Megalomanen das Sagen haben
und immer mehr vom Gewinn abschöpfen. Die trickle down Theorie von den Chicagoer Boys wurde auch ausser Kraft
gesetzt, das neue System ist so gierig geworden das selbst die Brotkrumen welche vom Tisch fallen von den Reichen
aufgesogen werden mit Illusionen wie den Subprime Krediten. Die Leute verlieren alles und geraten in Schuldknechtschaft. Im alten Rom waren Sklaven eine Kapitalanlage, heute existiert ein Ueberangebot an Menschen und der Wert der Arbeit zum Kapital wird noch mehr an Wert verlieren. Eine Umkehr ist nicht in Sicht und deshalb sehe ich für die Zukunft eher schwarz.:(:(:(

Leider wimmelt es auch in der Wirtschaft von diesen Typen, die haben es rundweg geschafft, den Kapitalismus so zu pervertieren dass wir uns wieder in einem neofeudalistischen Systen befinden wo Megalomanen das Sagen haben und immer mehr vom Gewinn abschöpfen. Die trickle down Theorie von den Chicagoer Boys wurde auch ausser Kraft gesetzt, das neue System ist so gierig geworden das selbst die Brotkrumen welche vom Tisch fallen von den Reichen aufgesogen werden mit Illusionen wie den Subprime Krediten. Die Leute verlieren alles und geraten in Schuldknechtschaft. Im alten Rom waren Sklaven eine Kapitalanlage, heute existiert ein Ueberangebot an Menschen und der Wert der Arbeit zum Kapital wird noch mehr an Wert verlieren. Eine Umkehr ist nicht in Sicht und deshalb sehe ich für die Zukunft eher schwarz.:(:(:(
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Freitag, 28. Juli 2017